top of page

Samhain - Einblicke in das keltische Ahnenfest


Anbruch der dunklen Jahreshälfte

Die Ähre stirbt, das Samenkorn fällt auf die Erde und schläft. Wir verbinden uns mit unseren Wurzeln und ergründen unseren Nährboden, in dem unser inneres Samenkorn nun zur Ruhe kommt. Das Leben zieht sich in sich selbst zurück und jede nach Außen gerichtete Energie kehrt ins Innere ein. Nach der Feldarbeit gilt es, sich um Heim und Familie zu kümmern. Was während der Erntezeit liegen geblieben ist, wird nun mit aller Ruhe nachgeholt. Pflanzen legen alles ab, was nicht mehr benötigt wird, Tiere schließen ihre Vorbereitungen für den Winter ab, um sich in ihren Wohnhöhlen einzunisten und die letzten Zugvögel treten ihre Reise an.


Auch für uns ist nun die Zeit, in das eigene „Heim“ zurück zu kehren. Dabei kann es sich ganz wörtlich um unsere wohnliche „Winterhöhle“ handeln, oder im weiteren Sinne um die „Heimat“, und um Menschen und Orte, an denen wir uns einfach heimisch fühlen. Wir machen uns bewusst welche Menschen und Vorfahren uns geprägt haben und dass sie es waren, die uns den Grund und Boden geebnet haben, auf dem wir nun leben.


Wir blicken nach innen und suchen unsere Wurzeln auf – unsere innere Heimat, in der unser Erbe verankert ist. Dieser wichtige Teil unseres Wesens bildet einen Teil des Nährbodens, auf dem die neue Saat wachsen kann.

Es ist an uns, diesen Boden genau zu prüfen. Was wurde über Generationen hinweg an uns weitergegeben? Was haben unsere Ahnen uns im Positiven hinterlassen? Welche destruktiven Einflüsse haften an unseren Wurzeln? Was tragen wir selbst an unsere Kinder weiter? Welche körperlichen Veranlagungen und welche übertragenen Verhaltensweisen prägen unser Wesen von Grund auf und lassen die Samen, die wir sähen, fruchten oder verkümmern?



Samhain – das Ahnenfest

Mit dem Ahnenfest gedenken wir den Toten und unseren Wurzeln. Wir werden uns unserer Familie und den Menschen bewusst, die uns stützen und nicht nur an den positiven Seiten unseres Erbes teilhaben, sondern auch unsere Lasten mit uns tragen. Wir danken diesen Menschen, wie auch unseren Ahnen, die in dem Rahmen ihrer Möglichkeiten das Beste aus ihrem Leben gemacht und uns den Boden geebnet haben, auf dem unsere Wurzeln heute ihren Halt finden. Wer Groll hegt, werde sich bewusst wie sie gelebt haben und dass auch sie von ihren Vorfahren geprägt waren. Eine Schuld trifft niemals einen einzelnen Menschen. Jede Entscheidung und jede Tat ist an eine Kette von weit zurück reichenden Ereignissen und Umständen geknüpft. Verdorrte Wurzeln und ausgezehrte Erde benötigen viel Liebe, um sich wieder erholen zu können. Es ist unsere Aufgabe unseren gemeinsamen Boden von Altlasten zu befreien und ihn zu einem neuen Nährboden aufzubereiten. Wir geben, damit unsere Kinder etwas zu geben haben. Wir richten liebevolle Gedanken an unsere Ahnen, akzeptieren unsere Wurzeln mit allen Segen und Lasten, lösen uns jedoch auch von den destruktiven Einflüssen, die uns mitgegeben wurden.


Zu Samhain laden wir die Ahnen als Teil unserer Familie ein, mit uns zu speisen. All jene, die in ihrem Leben lieben und lachen durften und uns mit ihrem Licht beschenkt


haben... Und all jene, denen täglich der Kummer und das Leid ihrer Familien und Vorfahren auf ihren Schultern lastete, sind an unserem Tisch willkommen. Die Gedanken richten sich dabei weniger auf bestimmte verstorbene Personen, als vielmehr auf unsere Vorfahren im Allgemeinen. Doch auch Geschichten über die Toten, die wir vermissen, finden an diesem Tag Raum.

Brennende Kerzen auf den Fensterbrettern oder auf dem Ahnenteller weisen den Ahnen den Weg zu uns. Wer möchte, kann gemeinsam mit den Gästen einen kleinen Altar gestalten, auf dem Andenken an die Ahnen ihren Platz finden. Als Altarschmuck eigenen sich Räucherutensilien, immergrüne Zweige, Salz, Brot, Heu, Kürbisse, Nüsse, Äpfel, Blätter, Maiskolben, Honig oder Rüben, oder Fotos und andere Erinnerungen an die Angehörigen. Wer etwas auf dem Altar platziert, darf seine Gedenken an die Verstorbenen teilen, oder auch eine Anekdote von einer inspirierenden historischen Persönlichkeit zum Besten geben.



Im Anschluss wird gefeiert! Auf dem Ahnenteller (ein schöner Teller, der ausschließlich für die Ahnen reserviert ist) teilen wir, was bei uns auf den Tisch kommt. Hirse und Haselnüsse gehören als „Nahrung der Geister“ mit auf den Speiseplan. Symbolisch ein bisschen „etwas von allem“ ist völlig ausreichend, um die Ahnen mit uns am Tisch teilhaben zu lassen. Mit einem eigenen Gedeck und Stuhl laden wir sie ein, wie wir Freunde und Familie einladen würden – ein einfaches „Essen ist fertig!“ genügt völlig. Im Anschluss an das Fest werden die angebotenen Speisen entweder in ein fließendes Gewässer gegeben, in der Erde vergraben oder verbrannt.



Abschied und Neuanfang Bei den Kelten begannen mit diesem Tag das neue Jahr, die Winterzeit und die Zeit des Herdfeuers. Der Beginn des neuen Jahres war geprägt vom Sterben, Loslassen und zur Ruhe finden. Gefeiert wurde Samhain als Mondfest. Es ist nicht mit Sicherheit überliefert, ob es sich um den elften Vollmond oder Schwarzmond des Jahres handelte und ab welchem Zeitpunkt das Jahr berechnet wurde. Rechnet man bereits ab dem Julfest, liegt der elfte Mond bereits im Oktober, doch auch im November wird das Fest noch gefeiert. Da der Schwarzmond selbst bereits die Energie des Sterbens und Neubeginns in sich trägt, feiern wir am 11. Schwarzmond nach Jul (dieses Jahr der 25.10.). Oder auch: wenn uns das Bauchgefühl packt, denn wie immer gilt: stimmig ist, was sich stimmig anfühlt. Die wichtigen Wendepunkte des Jahres sind nie nur an einem einzigen Tag spürbar – die Energien aller Jahreskreisfeste erstrecken sich immer über einen längeren Zeitraum. Wichtiger als der Termin ist, was wir bei den Ritualen fühlen. Als festgelegter Termin hat sich auch die Nacht vom 31.10. auf den 01.11. eingebürgert.


Die Zeit des Losen Schleiers Die nachfolgenden nebelverhangenen Wochen lassen uns hinter das Greifbare blicken.


In den nassgrauen, verschwommenen Tönen nehmen wir die Präsenzen und Schemen anderer Wirklichkeiten wahr. Lauschen wir in den dichten Nebel hinein, hören wir die Wesen aus anderen Welten flüstern, die sich im Schutze des Schleiers an uns heran wagen. Im Zwielicht des Novembers verschwimmen Licht und Schatten zu der grauen Gewissheit, dass Gut und Böse nicht klar voneinander zu trennen sind. Scheinbar fassbare Kontraste und Polarität weichen einer tonlosen verschwommenen Vielfalt, die unsere Intuition und die Instinkte inspiriert, über unser Denken hinaus zu wachsen.


Genießen wir die Zeit, in der die Schleier dünner werden und sich uns im Nebel mehr offenbart als wir denken.

Herzliche Grüße,

euer Team von Alkimia






57 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Comments


bottom of page