Die Töne der Stille

Alle Menschen, die einmal etwas von Paracelsus gehört haben, wissen inzwischen dass zu den Mondorganen nicht nur die Fortpflanzungsorgane zählen, sondern auch das Gehör.


In diesem Jahr ist unsere Hörfähigkeit also herausgesetzt. Besonders jetzt, wo der übliche Krach im Hintergrund fehlt. Zumindest bei uns in Spanien ist es durch die Ausgangssperre derzeit noch sehr ruhig. Deutschland erwacht derzeit schrittweise mehr zum Leben. Aber hier - kein Auto- oder Fluglärm, keine Bauarbeiten und kein Menschengeschrei. Was hört man dann?



Wer einen Garten hat oder einen Balkon wird sich wundern, welche Musik die Natur macht. Nicht nur die verschiedenen Singvögel erfreuen uns mit ihrem ungetrübten Frohsinn. Auch die Insektenschwärme erfüllen die Luft mit Brummen und Zirpen. Dazu kommen nachts die Gräusche von Füchsen, Mardern oder gelegentlich Rascheln im Gebüsch durch Igel und andere Kleinsäuger.


Die Signatur spiegelt sich in der Sprache der Bäume


Interessant ist auch die Sprache der Bäume, die wir sonst gar nicht bewusst wahrnehmen. Bäume brauchen den Wind als Vermittler. Das Merkurelement Luft bewegt die Blätter und erzeugt eine Vielzahl von Lauten und Tönen. Hier auf der Finca, wo es auf 10 km Entfernung keine Auto- oder Motorengeräusche mehr gibt wird das besonders deutlich.


Die lautesten sind die Chefs der Finca, die großen Fächerpalmen mit Namen Washingtonia. Manche von ihnen sind schon 7 m hoch und überragen sogar die Phönixexemplare. Da das Fächerblatt wie ein Zickzackblatt geriffelt ist, macht es ein lautes knatterndes Geräusch, wenn die Blätter im Wind aneinander reiben.

Sie zeigen an, wann es an der Zeit ist


die Wäsche rein zu holen oder die Tiere in die Ställe zu bringen. Die Sonnenbäume erwecken oft den Eindruck von Unmut oder Übermut, besonders im Frühjahr wenn die Stürme den Übergang zur Trockenperiode ankündigen.


Ganz anders die Pinie. Wenn dort der Wind durch weht klingt es wie ein geheimnisvolles Rauschen. Gerade so als erzählten sie eine alte Legende. Merkurbäume sind überhaupt die erzählfreudigsten.

Pappeln zum Beispiel sind schon beim kleinsten Lufthauch zu vernehmen. Ihre leichten gestielten Blätter, deren silbrige Unterseite auch noch Morsezeichen zu senden scheinen, kann man getrost als geschwätzig bezeichnen.